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am 1. September 2010

Wohnen – allein und doch nicht allein!

- Ich bin Pensionistin. Ich lebe alleine. Und das gerne. Aber nicht immer. Oder was ist wenn...?

Da drückt mir vor etwa 3 Jahren eine Bekannte ein Blatt in die Hand: „Gemeinsames Wohnen – Frauenwohnprojekt ro*sa“ Ja! Und schon informiere ich mich beim nächsten Jour Fixe des ro*sa –Vereins. 

Ich lerne die Architektin kennen, interessierte Frauen, die Intention des Projekts. Viele Treffen folgen. Der Verein wirbt um Mitfrauen, denen diese Inhalte ein Anliegen sind. Wir planen, diskutieren, phantasieren, müssen uns der Begrenztheit der Finanzen beugen. 

Am 17. Dezember 2009 ist es so weit. Wir erhalten die Wohnungsschlüssel. Mit einem Fest nehmen wir sie, freudig, gespannt, gerührt. Geschafft! Nicht immer war der Weg dorthin geebnet. Mietverträge unterschreiben nur Frauen(!), Anlass zu vielen Diskussionen. Die GPA (Gewerkschaft der Privatangestellten) als Bauträger musste davon überzeugt werden. Zuletzt setzte es dies - bezüglich noch eine Klage bei der Gleichbehandlungskommission, die wir aber überzeugend gewannen. Sauna ja, nein? (Ja!) Wir wollen kommunikative Plätze außerhalb der Wohnungen: Gemeinschaftsraum mit Küche, Terrasse, Dachgarten mit Hochbeeten für unser Gemüse, breite Gänge usw. 

Den Alltag erleben wir bereits ein halbes Jahr. Wir, das sind alleinstehende Frauen, alt und jung, alleinerziehende Frauen, Familien mit ihren Kindern. Diese Konstellation ist die Basis für die Projektziele. Ich, in meinem Alter, fühle mich geborgen, weil ich mit Hilfe rechnen kann, falls ich sie brauche. (Eben sind die ro*sa-Senioras dabei, diese gegenseitige Hilfe genauer zu planen). Kinderbetreuung wird untereinander ausgemacht, der Sonntagsbrunch ist beliebt, Saunarunden werden ausgerufen, mit Tanz, Joga, Geburtstagsfesten wird der Gemeinschaftsraum belebt. Die notwendige Vereinsarbeit findet in der akribisch gestalteten Bibliothek (als Rückzugs - raum nur Frauen zugänglich!) statt. 

Und nicht immer geht es „ro*sig“ zu. Bei gemeinsamen Entscheidungen kommt es schon vor, dass es zu Misstö - nen kommt. Mit einem Seminartag über gelungene Kom - munikation versuchen wir, die Probleme zu bewältigen. Ich fühle mich wohl!