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am 2. Dezember 2020

Pflegeheime und Corona

Doris Eisenriegler - Lernen aus der Krise – Pflegeberuf attraktiveren

Ein (etwas abgewandeltes) altes Sprichwort besagt: Was Du nicht willst, dass man Dir tu, das füge auch keinem pflegebedürftigen, alten Menschen zu!

Die durchschnittliche „Verweildauer“, sprich: restliche Lebenszeit, in einem Pflegeheim ist ein halbes Jahr. Und es macht einen riesen Unterschied, ob ich den wochenlangen Lockdown selbstbestimmt in der eigenen Wohnung oder pflegeabhängig in einem Heim verbringen muss. Die Not und Einsamkeit der Heimbewohner*nnen sowie deren Angehörigen, die nicht einmal mehr zu Sterbenden gelassen wurden, ist hinlänglich dokumentiert.

Auch jetzt, im zweiten Lockdown, weiß man sich da und dort wieder nicht anders zu helfen, als Kontakte soweit zu reduzieren, dass teilweise kaum bis keine Besuche möglich sind.

Klar ist, dass die Ursachen vor allem in einer Überlastung der Pflegekräfte zu suchen sind. Die Held*innen der Corona-Krise zu beklatschen, ist eindeutig zu wenig. Es ist zu hoffen, dass die Lehren aus der Pandemie rasch gezogen werden und eine Aufwertung des Pflegeberufs in Form höherer Gehälter und/oder entsprechend verkürzter Arbeitszeiten erfolgt. Mit Hilfe einer derartigen Attraktivierung wird es auch möglich sein, in Zukunft ausreichend Pflegepersonal zur Verfügung zu haben.

Die Attraktivierung des Pflegeberufs ist auch das erklärte Ziel von BM Anschober und Bedrana Ribo, Grüne Sprecherin für Pflege und Senior*innen: 

Denn wir brauchen jetzt, und in Zukunft noch deutlich mehr, Pflegekräfte. Unter einer Attraktivierung der Pflegeberufe verstehen wir einerseits den bereits aktiven Pflegekräften Bedingungen und Ressourcen zu schaffen, die es ihnen ermöglicht, lange und mit Freude im Beruf zu bleiben. Andererseits denken wir dabei aber auch an Umschulungsangebote, die es Interessierten tatsächlich ermöglicht, sich beruflich zu verändern. Und darüber hinaus braucht es selbstverständlich auch eine qualitativ hochwertige Ausbildung, die zukunftsfähige Berufs- und Karrierechancen bietet.

Bis es soweit ist, sollte es mit Hilfe von Schnelltests und FFP2 Masken möglich sein, sowohl das Ansteckungsrisiko zu minimieren, als auch das Selbstbestimmungsrecht alter Menschen in Heimen nicht mehr zu beschneiden!