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am 16. Jänner

Neue Konzepte für neues Leben im Alter

Webredaktion Die Grünen - Generation plus - Unsere Gesellschaft ist individueller und heterogener, bunter und vielfältiger geworden. Diese Entwicklung trifft selbstverständlich auch auf Menschen im Alter zu.

Veränderte Ansprüche von Menschen im Alter beantwortet die Politik aber immer noch mit Konzepten aus dem vorigen Jahrhundert: Das Pflegegeld wurde 1993 eingeführt, die meisten Pflegeheime weisen in Architektur und auch in der Organisation der Pflege und Betreuung in die 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts. Keine andere Personengruppe würde sich einen so trägen Wandel bzw. eine so verzögerte Anpassung der Angebote an aktuelle Bedürfnisse gefallen lassen.

Dabei wissen wir zum einen, dass Menschen möglichst lange im gewohnten Umfeld bleiben möchten, zum anderen verändern sich die Betreuungs- und Pflegeanforderungen in Pflegeheimen. Auch die richtige und immer wieder zitierte Leitlinie „mobil vor stationär“ bedeutet mehr als den Ausbau mobiler Dienste - es geht um eine echte umfassende „Mobilisierung“ von Leistungen - ganz nach der Aussage von Klaus Dörner: „Die Hilfe zu den Menschen und nicht die Menschen zur Hilfe“. Damit verbunden ist auch eine dringend geforderte Umgestaltung unserer „Heime“. Neue Wohnkonzepte für Menschen mit hohem Pflegebedarf sind hier zentral. Und: Wohnen, das ins Gemeinwesen integriert ist, dass alltags- und bürgernäher organisiert ist.

Die Organisation des Lebens von stark eingeschränkten Personen hat sich aber am Maßstab eines „normalen“ Alltags zu orientieren – und nicht an den Abläufen möglichst reibungsfreier Pflege. Für diese neuen Herausforderungen braucht es dringend neue passende Antworten – und die sozialpolitischen Rahmenbedingungen dazu. Internationale Beispiele gibt es dazu ja bereits zahlreich: Quartiersentwicklung, sozialräumliche Herangehensweisen, ambulant betreute Wohngemeinschaften für Menschen mit Demenz, kleineräumige Pflegewohngruppen, Sozialraumorientierung, Community Care und vieles mehr.

Denn: Deutlich und erlebbar werden die demographischen Veränderungen in den Gemeinden, Dörfern, Stadtteilen, Siedlungszusammenhängen – in den Sozialräumen, zu denen sich Menschen zugehörig fühlen, wo sie zuhause sind, wo sie wohnen, arbeiten und miteinander feiern. Dort, wo eben das Leben zuhause ist. Der Blick muss sich stärker richten: auf den Raum zwischen der Privatheit der Familie und den Institutionen mit ihren Kompetenzen der professionellen Pflege & Betreuung. Das bedeutet auch, dass niemand allein gelassen wird mit der Betreuungsarbeit, sondern dass die „Care-Arbeit“ auf mehrere Schultern ruht – auch zwischen Männern und Frauen.

Deswegen ist die Kernfrage, bevor wir über Pflege reden: Wie kann ich Grätzel, Sozialraum und Wohnformen etablieren, damit ältere Menschen auch mit Behinderung oder Demenz dort leben können? Die Pflege, die dazu nötig ist, ist eine zusätzliche Dienstleistung. Die Quartiersentwicklung und deren Stabilisierung ist also die essenzielle Grundlage, nicht die Pflege selbst.

Autorin: Drin Daniela Palk, Leiterin Kompetenzmanagement Seniorenarbeit beim Diakoniewerk Gallneukirchen