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am 21. April

Kurze Lebensgeschichte über das Leben der Rosa Breuer-Grossmann

Irmgard Seidler - Ein Text ihrer Tochter

Am Sonntag, 8. Januar 2017 schrieb sich das Kind Erna folgende Geschichte vom Herzen; mit Erlaubnis hier veröffentlicht. Danke Erna!

Heute vor 97 Jahren war der Geburtstag meiner geliebten Mutter Rosa. Sie wurde als erste von eineiigen Zwillingen geboren mit einem Geburtsgewicht von 1,5 Kilo - ihre Mutter hatte als Kriegerswitwe nach dem Ersten Weltkrieg hungern müssen. Rosa wuchs auf in großer Armut: durch Wäschewaschen verdiente ihre Mutter etwas für die Familie, der Vater war Pferdekutscher beim KONSUM. Rosa und ihre Schwester kamen dank der Liebe ihrer Eltern mit dem Leben davon. Mama hatte das Herz einer Kämpferin gegen Ungerechtigkeit. Ihre erste Haftstrafe verbüßte sie 1934, als man sie bei einer Straßensperre mit Flugblättern aufgriff. Während des Austrofaschismus wurde sie zum zweiten Mal 1936 inhaftiert. Im Gefängnis sang sie „Die Gedanken sind frei“, und eine Wärterin prophezeite ihr, daß sie noch am Galgen enden würde. Rosa wurde im Zweiten Weltkrieg auch Kriegerswitwe. 1943 hat sie dann das nationalsozialistische Regime inhaftiert. Nach einem Selbstmordversuch mit beinahe tödlichem Ausgang hat man sie auf Grund ihrer Aussageverweigerung unter der Folter nach Monaten freigelassen. 

Nach dem Krieg beteiligte sie sich in der Kommunistischen Partei an der Wiedererrichtung eines demokratischen Österreich. Sie trat im Prozeß gegen einen berüchtigten Gestapo-Folterer auf, begab sich auf die Spur von Jägerstätter, dessen Leben sie bekannt machte. Als der Traum eines demokratischen Sozialismus durch den Einmarsch der Roten Armee in Ungarn und in der Tschechoslowakei zerstört wurde, trat sie aus der Partei aus, der sie Jahrzehnte ihre Energie gewidmet hatte. Gleichzeitig verlor sie ihre Arbeit als Chefredakteurin der „Stimme der Frau“. 

Als Mensch war sie vorbildlich in ihrem Einsatz für die Familie und die Menschen ihrer Umgebung. Sie war bis ins höhere Alter sportlich, fuhr Ski, spielte Tischtennis und wanderte. Ihre Kinder und Enkel liebte sie mit selbstloser Zuwendung. Auch sang sie gerne und viel mit heller Stimme, auch noch als sie an Altersvergeßlichkeit litt. Die Wiener Schriftstellerin Erica Fischer hat den Zwillingen ein Buch gewidmet, das im Ueberreuter Verlag unter dem Titel „Das Wichtigste ist sich treu zu bleiben“. Es gibt auch einen Film von Nadja Trallori, in welchem sie neben drei anderen Widerstandskämpferinnen vorkommt: "Küchengespräche mit Rebellinnen".

Gruß - Erna