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am 19. November

Altenpflege neu denken

Webredaktion Die Grünen - Generation plus - Im Mittelpunkt steht Lebensbegleitung

Altenpflege

Das Thema „Kosten und Finanzierung“ nimmt in der öffentlichen Diskussion um das Thema Pflege den größten Raum ein. Die Fragen „Wer pflegt?“ und „Wo wird gepflegt?“ kommen nur am Rande vor. Und eine Frage stellt sich in der öffentlichen Diskussion nie: die Frage nach dem „Wie“, nach den Inhalten zukünftiger Altenpflege. Welche Art von Altenpflege wollen wir als Gesellschaft betroffenen Menschen (genau genommen uns selbst!) in Zukunft zur Verfügung stellen?

Müsste diese Frage nicht am Beginn aller Überlegungen stehen?
Ist nicht erst nach Klärung dieser Frage die Planung des „Wer“ und des „Wo“ möglich, und leiten sich nicht erst davon Kosten und Finanzierung ab?

Altenpflege heute – körperliche Pflege mit Fließbandcharakter 

In beinahe jedem Pflegeleitbild findet sich die Aussage von der „ganzheitlichen und individuellen Pflege“. Das Mission-Statement ist als Qualitätsversprechen an pflegebedürftige Menschen formuliert.

Doch in der täglichen Pflegepraxis hinkt die Altenpflege diesem Anspruch weit hinterher.


Auszubildende berichten von Aussagen wie „Hör auf zu tratschen, arbeite lieber!“, wenn sie versuchen mit alten Menschen ins Gespräch zu kommen. Und viele Pflegedokumentationen erzählen immer noch davon, dass Altenpflege vor allem als Arbeit am Körper gesehen wird. Waschen, kleiden, beim Toilettengang helfen, Essen verabreichen. Punkt.

Das Gespräch mit alten Menschen, das Arbeiten an der Pflegebeziehung wird kaum als „richtige“ Pflegearbeit gesehen. Die Begegnung führt in der Altenpflege ein Schattendasein - und das, obwohl das Gespräch beim alten Menschen besonders hohe Bedeutung hätte.

Altenpflege morgen – Lebensbegleitung am Ende des Lebens

Altenpflege der Zukunft muss sich nicht nur räumlich neu denken, will sie sich weiterentwickeln, sondern auch inhaltlich. Es geht um eine neue Haltung zum alten Menschen und zum Pflegeauftrag.

Es wird Zeit, das Versprechen von individueller Pflege endlich einzulösen und Altenpflege auch als Lebensbegleitung am Ende der Lebensreise zu sehen. Lebensbilanz ziehen, Lebensgeschichte aufarbeiten, die Lebenskrisen Witwenschaft, Pflegebedürftigkeit und Heimeinzug bewältigen, letzte Lebensziele definieren und sich erfüllen, Abschied nehmen vom Leben - das sind elementare Bedürfnisse alter Menschen. Sie dabei zu unterstützen ist, neben körperlicher Pflege, Aufgabe zukünftiger Altenpflege. 

Was braucht es dafür? Eine neue innere Haltung bei Pflegepersonen, sehr gut ausgebildetes Pflegepersonal mit entsprechender Gesprächskompetenz, die Einbindung von Gerontopsychologen und Sozialpädagogen in Pflegeteams sowie ein angemessenes – räumliches und zeitliches - Umfeld.